Türkei Westküste: Was tun bei Atemproblemen bei hoher Luftfeuchtigkeit?
1. Juli 2026
Besonders auch an der Südküste in der Region Antalya jammern viele über die hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer, die nachts oft auf 80 Prozent steigt, aber manchmal auch tagsüber sehr hoch ist. Bei uns an der Westküste in der Region Dalaman/Ortaca/Köycegiz spüren wir es phasenweise, meistens erst im August für mehrere Wochen. Doch diesmal, im Jahr 2026 sind wir seit Ende Juni schon sehr früh betroffen.
Es ist für Menschen mit Atemproblemen nicht unbedingt günstig, wenn die Luft zu feucht ist. Ich selbst bin hier auch betroffen, aus diesem Grund habe ich mich nicht in der Provinz Antalya niedergelassen.
Ich habe mich, weil es nun bei uns so früh nachts feucht wird, speziell jetzt über meinen Wohnort, schlau gemacht, doch mit Sicherheit wird es für viele, die an anderen Orten leben, hilfreich sein, wenn man weiß, woher es kommt und was man dagegen tun kann.
Wie entsteht diese Luftfeuchtigkeit?
- Geografische Lage: An der Küsten verdunstet das Wasser der Ägäis. Die vom Meer kommenden Winde transportieren diese feuchte Luft direkt in Ihre Umgebung.
- Temperaturwechsel: Tagsüber nimmt die Luft viel Feuchtigkeit auf. Kühlt sie abends oder nachts ab, sinkt die Speicherkapazität der Luft und der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit (das, was Sie spüren) schießt nach oben.
- Dunstglocke & Windstille: Bei windschwachen Wetterlagen sammeln sich Feuchtigkeit und kleine Partikel (Staub, Rauch) in der bodennahen Atmosphäre. Dieses Zusammenspiel erzeugt einen sichtbaren, feuchtschwülen Schleier.
- Die Ägäis / das Mittelmeer (15 km entfernt): Von hier strömen kontinuierlich feuchte, warme Luftmassen ins Landesinnere.
- Der Akköprü-Staudamm (40 km entfernt): Der riesige Stausee speichert Millionen Kubikmeter Wasser. In diesem Jahr lief er fast über und musste aus Sicherheitsgründen zum Teil abgelassen werden. Über der großen Wasseroberfläche verdunstet ununterbrochen zusätzliches Wasser, das die Umgebungsluft wie ein riesiger Luftbefeuchter auflädt.
Das passiert abends Minute für Minute
- Tagsüber (Die unsichtbare Feuchtigkeit): Die Sonne brennt auf das 15 km entfernte Meer und den Akköprü-Staudamm. Gigantische Mengen Wasser verdunstet. Da die Luft tagsüber aber sehr heiß ist (z. B. 35 °C), verhält sie sich wie ein riesiger, trockener Schwamm. Sie nimmt den Wasserdampf komplett in sich auf, ohne dass wir es merken. Die relative Luftfeuchtigkeit ist niedrig (z. B. 40 %).
- Nach Sonnenuntergang (Der Schwamm wird ausgedrückt): Sobald die Sonne wegbricht, kühlt der Boden und damit die bodennahe Luftschicht rapide ab. Der "Luft-Schwamm" zieht sich schlagartig zusammen.
- Der Sprung auf 80 %: Da die Menge an Wasserdampf in der Luft exakt dieselbe bleibt wie tagsüber, die Luft aber abkühlt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit rasant an. Die Luft nähert sich ihrem Sättigungspunkt.
Das kann man tun, damit es im Haus nicht
feucht und stickig wird
- Öffnen Sie morgens (am besten zwischen 06:00 und 08:00 Uhr) Ihre Wetter-App.
- Scrollen Sie nach unten zu den Details, bis Sie die Werte „Aktuelle Temperatur“ und „Taupunkt“ (Dew Point) sehen.
- Vergleichen Sie die Werte:
- Beispiel A (Nicht lüften): Temperatur draußen ist 22 °C, der Taupunkt liegt bei 21 °C. Die Luft ist fast vollständig gesättigt (ca. 95 % Feuchtigkeit). Wenn Sie jetzt lüften, holen Sie sich die Feuchtigkeit direkt ins Haus.
- Beispiel B (Perfekt zum Lüften): Die Sonne geht auf und die Temperatur steigt schnell auf 26 °C, während der Taupunkt stabil bei 17 °C bleibt. Jetzt ist die Außenluft trocken und bereit, die Feuchtigkeit aus Ihrem Haus abzutransportieren.
- Kurz nach Sonnenaufgang: Machen Sie den App-Check. Sobald die Außentemperatur spürbar über den Taupunkt klettert, öffnen Sie für 10 bis 15 Minuten alle Fenster für einen kräftigen Durchzug. Nachdem wir hier fast alle mit Klimaanlagen ausgestattet sind, aktuell auch kein wirklicher "Durchzug" mangels Wind (es weht überhaupt kein Lüftchen), ich mache zwar die Terrassentür auf der Schattenseite auf, lasse aber trotzdem fünf Minuten den Turbo der Klimaanlage mit 26 Grad laufen, damit sich die Luft im Raum erneuert, dann schließe ich die Fenster und stelle die Klima auf Normalbetrieb so ein, dass sie nicht zu kalt ist - je nach Raumgröße ist das bei jedem unterschiedlich.
- Danach (bis zum Abend): Ohne Klimaanlage oder bei Stromausfall: Schließen Sie alle Fenster und Außentüren komplett. Mit Klimaanlage: je nach Gefühl. Ich habe eines im Wohnzimmer auf der schattigen Seite immer offen, bis die Sonne gegen Nachmittag kommt. Halten Sie die Rollläden oder Vorhänge auf den sonnigen Seiten aber unbedingt geschlossen, um die Hitze auszusperren. Viele denken, Durchzug hilft hier, nein - im Gegenteil, bis zum Abend, wenn der Dew-Point einsetzt, haben sie eine warme feuchte Sauna in der Wohnung und ihre Klimaanlage arbeitet sich fast zutode, auch ihre Stromrechnung.
- Nach Sonnenuntergang: Wenn die Dämmerung einsetzt (Ihr beobachteter Umschlag-Taupunkt), bleiben die Fenster absolut tabu, da der Taupunkt fast erreicht wird. Dann je nach Klimaanlage einfach nicht so kalt einstellen.
- Die extreme Sommer-Schwüle: Im Juli und August steigen die Temperaturen oft über 35 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 70 %. Diese feucht-heiße Luft ist physikalisch "schwerer" und dichter. Während der COPD-Patient vom Schleimlöser-Effekt profitiert, reagiert die hypernervöse Lunge eines Asthmatikers mit einem Schutzreflex: Die Bronchien verkrampfen sofort (Bronchospasmus), was schwere Asthmaanfälle auslöst.
- Schimmelpilze und Milben: Die hohe Luftfeuchtigkeit an der Küste ist ein idealer Nährboden für Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Für Menschen mit allergischem Asthma ist die Luft in den Wohnungen und Hotelzimmern dort oft hochgradig belastet.
- Sumpfeffekt bei Bronchitis: Bei einer Bronchitis sind die Schleimhäute entzündet. Wenn die Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu hoch ist, quillt der Schleim in den Atemwegen zu stark auf. Die Betroffenen haben das Gefühl, "zu ertrinken" oder keine Luft zu bekommen, weil die Lunge die Feuchtigkeit nicht mehr regulieren kann.
