Türkei Wohnen Tipps und Tricks
Die
wenigsten meiner Leser, die mich Jahre kennen, wissen, das
ich vom Fach bin, was Wohnen in der Türkei betrifft. Ich habe mich
hier immer sehr zurückgehalten, denn ich wollte nicht, dass gesagt wird, meine
Webseite besteht nur deswegen, weil mein Mann und ich über 17 Jahre eine Baufirma hatten.
Deswegen habe ich immer gemerkt, wie viele Fehler bei der Auswahl
von Wohnraum gemacht werden. Einfach aus Unwissenheit, weil man in
Deutschland nach völlig anderen Kriterien aussucht als hier in der
Türkei.
Vorab bemerkt, waren die Gerüchte, dass die Immobilien durch
die Hetze der Medien immer billiger werden , ein Trugschluss, worauf ich immer wieder hingewiesen hatte. Früher, bis zu den Ende 90er Jahren bis Anfang 2000 war es gar nicht möglich, das Baumaterial, das jetzt am Markt ist, zu erhalten, vor allem für den Innenausbau, hier findet man eine riesige Auswahl, die damals gar nicht vorhanden war.
Wichtiger Punkt - importiertes Baumaterial in der Türkei richtet sich nach Dollarpreisen, die eine Baufirma dementsprechend Kurs rauf oder runter, dann in TL
kalkulieren muss. Den Spagat zwischen den Währungen in eine Kalkulation bekommt der Kunde im Endpreis nicht mit.
Eine Firma verdient natürlich Geld, umsonst wird sie nicht, um den Jammerern zu gefallen, ein Haus zum Selbstkostenpreis verkaufen, wenn sie z.B. an einem Einfamilienhaus sechs bis acht Monate baut. In vielen Regionen ist Baustopp von Mai bis Oktober und in dieser Zeit steht alles evt.noch länger einfach still und die Inflation, die Baumaterialpreise, Löhne und Abgaben steigen weiter.
Dazu kommt noch, dass ein und derselbe Bau in m2 in der Region, in der Erdbebenstufe 1 ausgewiesen ist, wesentlich teurer kommt, als in einer Region, in der kein Beben zu erwarten ist. Warum? Weil das Fundamet wesentlich mehr Stabilität , sprich bestimmten Beton und mehr Eisengeflecht braucht und das auch vorgeschrieben ist - hier kann eine Baufirma nicht einfach für den Käufer am Preis sparen, weil es Auflagen gibt und die Behörden Betonproben sehen möchten, es wird bei jeder Lage Beton vorab geschaut, ob die Eisen auch vorhanden sind, die lt. Bauplan da sein müssen und abgezeichnet in einer Baumappe. Zumindest ist diese Strenge Reglung seit meiner Zeit von über 20 Jahren so.
Ich hörte ganz viele sagen, ach ich hab ja noch Zeit.
Ich kenne diesen Spruch noch von mir selbst, als wir in den Anfang 80ern überlegten, in
Deutschland zu bauen. Leider liefen uns immer die Preise davon....
genauso ist es in der Türkei auch.Zudem werden die Auflagen beim Bau durch Gesetzesänderungen immer noch strenger, auch die Beiträge für Baugenehmigung und sonstigen "Papierkram" werden teuerer.
Zudem kommt es darauf an, ob man mit dem türkischen Standard zufrieden ist oder ob man den an Europa angenäherten Standard möchte, denn die meisten sehen nur die Optik, aber nicht das "Innenleben" und kennen die Spanne zwischen den Standards nicht.
Wer
in die Türkei zieht, vor allem an die schneefreie Westküste, der
nimmt meistens an, dass hier ewig die Sonne scheint und es auch im
Winter warm ist. Das stimmt schon, es ist wärmer als in den deutschen Wintern, jedoch warm ist relativ in diesem
Fall. Denn es regnet und die Luftfeuchtigkeit lässt es kühler erscheinen, als es im Wetterbericht steht.
Wir
haben hier an der Westküste extreme Temperaturschwankungen, mit
Unterschieden im Sommer zum Winter von ca. 40 Grad ( je nach Region
z.B. im Raum Çanakkale oder in Ankara, dort gibt es sowohl Schnee als auch heiße
Sommer).
Bei
uns im Raum Dalaman/Ortaca in der Provinz Mugla haben wir im Hochsommer Temperaturen von
Juni bis September von 30 bis 45 Grad und im Winter zwischen 10 und 18 Grad ohne Schnee, aber auch
Wochen mit Regen. Besonders in den Monaten Dezember und Januar ist
der Winter auch nass und manchmal ungemütlich, wenn man sich seine
Wohnung oder sein Haus nicht richtig aussucht.
Auch wenn man im Winter an der warmen Küste, wie bei uns, von durchschnittlichen Temperaturen von 10 bis 12 Grad ausgehen kann, gibt es doch auch im kältesten Monat Januar manchmal einzelne Tage in denen
es nachts unter null sein kann ( zwischen - 1 bis - 3 Grad) , das ist
aber sehr selten. Wenn das jedoch passiert, dann wird es in einem
schlecht isolierten Haus ziemlich frostig. Am Tag scheint dann
zwar oft wieder die Sonne, doch nachts kühlen die Wände aus und es
ist im Haus oft kühler als draußen am Tag in der Sonne.
Fakt ist, wer kälteempfindlich ist, immer kalte Füße hat, muss sich auch im türkischen Winter darauf einstellen, dass er warme Kleidung braucht, auch wenn geheizt wird. Vor allem wenn das Haus älteren Baujahrs ist und nicht nach neuesten Bauvorgaben erstellt wurde.
Jedes
Land hat seine eigene Bauweise und in der Türkei gibt es das sogar je nach
Region. Nicht zuletzt durch die Einteilung in Erdbebengebiete nach Stufen findet man auch hier Unterschiede. In Istanbul gibt es wie in
Deutschland Winter, auch mit Schnee. In Ankara und Richtung Osten
auch . Dort gibt es auch Wintertemperaturen bis zu minus 20 Grad.
Dementsprechend sind die Häuser auch wetterbedingt ausgerichtet,
wenn es sich um neuere Gebäude handelt.
An
der Westküste der Türkei, wenn man einmal Izmir hinter sich
gelassen hat, wird es immer wärmer. Auch in den Wintern.
Das heißt
aber nicht, dass man im Winter nicht heizen muss ( zwar nur kurze
Zeit, bei uns sind es meist drei Monate von Dezember bis Anfang März) und dass man nicht darauf achten muss, wie isoliert das Haus
ist, welche Fenster es hat oder wie das Dach gebaut wurde. Denn der
Winter an der Küste hat sehr oft auch starken Wind. Obwohl wir eine Fußbodenheizung eingebaut haben, reicht uns die Klimaanlage aus, weil die Wohn- und Schlafräume nach Südwesten schauen und durch genug Glasfront oft keine Heizung gebraucht wird. Dafür mehr Kühlung im Sommer.
Hier ist eine Klimatabelle, die den Idealfall anzeigt, es hat sich jedoch
schon mehrere Jahre das Wetter auch überall an der Westküste
geändert, die Sommer sind heißer, die Winter streckenweise kühler. Im Februar 2026 hatten wir fast den ganzen Monat zum ersten Mal so viel Regen, dass der Staudamm in den Bergen abgelassen werden musste, um schlimmeres zu verhindern.
Der
Vorteil der meiner Region liegt darin, dass wir - bis auf Februar 2026 , wie überall die Küste entlang - keine Winter mit
extremen Hochwasserspiegeln verzeichnen. Das liegt unter anderem an der nicht so dichten Bebauung und viel Ackerflächen, die das Wasser versickern lassen und an den vielen Zitronen- und Orangenbäumen, die dieses Wasser in ihren Wurzeln speichern können. Im Gegensatz dazu gibt es in Izmir, Bodrum oder
Antalya, Side im Vergleich mehr Überschwemmungen. Dort sind die Winter zum Teil sehr ''nass''. Mit nass meine ich nicht den Regen, den haben wir auch, sondern heftige Regen mit Hochwasser auf den Straßen und auch manchmal im Haus, je nachdem wo man wohnt.
Es
gibt natürlich dann auch Unterschiede in den Kaufpreisen oder
Mietpreisen. So wie bei einem Auto auch. Nicht nur die Lage (direkt am Meer / Meerblick usw.) treibt den Preis nach oben. Je mehr unsichtbaren Komfort
die Wohnung oder das Haus hat , um so höher der Preis. Diesen "Komfort" kann man
oft gar nicht sehen und ich rate dringend davon ab, eine Immobilie
immer nur nach der Optik oder dem Raumschnitt zu beurteilen. Der
Ausländer weiß hier meistens nicht , worauf es ankommt und macht
sehr oft Fehlgriffe .
Es ist immer wichtig zu wissen, dass Immobilien am Meer immer
schneller am Material leiden als die , die 10 oder 15 km entfernt sind, durch
die salzhaltige und feuchtere Luft verrottet Holz schneller und Eisen
rostet früher, ist aber besser als Holz, das Gemäuer hat eventuell
auch mehr Feuchtigkeit, wenn nicht richtig isoliert wurde. Was
heißt, ein Haus am Meer ist öfter in Stand zu halten, als eines ,
das nicht direkt dort steht und kostet im Unterhalt manchmal mehr über Jahre. Holz am Haus hat den
generellen Nachteil, dass es sofort zu arbeiten beginnt, im Winter
dehnt es sich in der Feuchtigkeit aus, im heißen Sommer zieht es sich
trocken zusammen, es entstehen Risse, es bröselt.... Das bedeutet, mindestens im Jahr muss es zwei bis dreimal imprägniert werden.
Achten Sie
darauf, dass die Immobilie so wenig wie möglich echtes Holz verarbeitet
hat. Sehen Sie sich auch unbedingt den Dachstuhl an, ob das Holz
imprägniert ist. Meistens ist es das nicht. Oft wurde in älteren Bauten nur Verschalungsholz verwendet, was fatal ist. Auch wie stark die
Holzbalken sind, ist wichtig. Wir haben nur Einfamilienhäuser nach Wunsch ab Plan angeboten, so dass der Kunde genau wusste, was er haben kann und dementsprechend eigene Wünsche einbauen konnte, nichts von der Stange, sondern individuell gezeichnet. Das geht bei großen Bauträgern nur bedingt bei Innenwänden und der Ausstattung der Wohnung. Den Rest müssen Sie hinnehmen wie es ist - deswegen immer vorher alles fragen was wichtig ist wie Material und Stärke der Außenwände, Isolierungen wo usw. Denn das ist alles nicht sichtbar und merken Sie erst beim Wohnen.
Die
neueste Generation der Wohnungen und Häuser in der Türkei sind an
den europäischen Standard angelehnt und haben sehr oft eine
Zentralheizung mit Gas, neuerdings auch mit Wärmepumpe. Diese ist meistens so installiert, dass jede
Wohnung ihr eigenes Rohrsystem hat und gar nicht an ein einziges großes
Heizsystem gekoppelt ist. So bestimmt jeder selbst , wann er an und
abschaltet. Jeder hat eine eigene Chipkarte , auf die Geld aufgeladen
wird und womit man selbst den Verbrauch seiner Heizung bestimmen
kann. Viele große Bauträger sparen sich aber die Installation, jede Wohnung ist bei einem Erstbezug vorbereitet, so dass der Käufer selbst entscheiden kann, ob er Heizkörper einbauen lassen will und einen Anschluss möchte. Das ist dann natürlich meistens nicht im Kaufpreis drin.
Diese Möglichkeit gibt es auch schon bei Stadtwasser hier bei
uns in der Stadt, so dass man , wenn man nicht permanent in der Türkei
lebt, nie eine Rechnung versäumt, sondern selbst, mit einer
bestimmten Geldsumme auf der Karte, bestimmen kann , wieviel man
verbraucht. Bei Bedarf lädt man sie wieder auf.
Viele praktische Tipps und welche
Fehler man beim Aussuchen der Wohnung oder des Hauses vermeiden kann und was man beim Mieten beachten sollte finden Sie in meinem Ratgeber
Das
Wichtigste am Wohnen in der Türkei überhaupt ist, den Winter dort
zu kennen und auch den schlimmsten Fall , den ''Worst case''.
Der muss nicht kommen, aber man sollte ihn kennen. Viele, die ich
kenne, machen deswegen auch einen Kurzurlaub in der Hochwinterzeit,
um Temperatur, Regenaufkommen usw. zu sehen. Das ist in der Regel
Ende Dezember bis Ende Februar im Jahr die Zeit, die man sich
eventuell nehmen sollte.

