Auswandern in die Türkei – Krankenhaus-Notfallplan für Singles




Der Gedanke für ausländische Singles im Rentenalter, in die Türkei auszuwandern, ist nicht neu. Viele alleinstehende Rentner, ob Männer oder Frauen sehen nach ihren Urlauben im Land die Option, sich ganz in der Türkei niederzulassen, weil sie vielleicht in Deutschland auch keine Familie mehr haben, Freunde nicht mehr am Ort sind und sich einsam fühlen. 

Dann zu sagen – was später ist, kümmert mich jetzt nicht, daran denke ich, wenn es so weit ist, ist mehr als blauäugig! Denn wenn es „so weit“ ist, dann ist man wahrscheinlich gar nicht mehr in der Lage, selbst etwas zu organisieren. 

Das Wichtigste dabei ist, nicht nur die Auswanderung zu planen, sondern – auch wenn man sich gesund und rüstig fühlt, an die nächsten kommenden 15 bis 20 Jahre zu denken. Es kann jederzeit im Alter passieren, dass man sehr krank wird und wenn es nur eine schwere Grippe ist, die man ohne Hilfe im Haus überstehen muss, das Haus vielleicht nicht verlassen kann oder gar ins Krankenhaus muss. Was, wenn man zu schwach ist, um sich noch selbst um alles zu kümmern? Wer organisiert es dann? 

Natürlich knüpft man hoffnungsvoll Bekanntschaften, vielleicht entsteht auch eine gute Freundschaft mit jemandem – doch möchte ich diese Menschen dann mit meinen eigenen Problemen belasten? Ich wollte das nicht. 

Klar denkt man nicht gerne daran, doch es ist wichtig, sich dafür bereits einen Notfallplan zurechtzulegen. Gedanken wie – daran denke ich noch nicht – sind ganz und gar nicht von Vorteil, vor allem, wenn man dann auch noch ein Haustier zu versorgen hat, das vorübergehend in fremde Hände gegeben werden muss. 

Es sind so viele Dinge, die dann, wenn man selbst nicht mehr in der Lage sein sollte, organisiert werden müssen. Gut, wer es noch kann, schlecht, wenn es nicht möglich ist und man vielleicht auch der Sprache nicht so mächtig ist. Natürlich ist jeder, der hier lebt, auch als Ausländer mit Rente über die SGK krankenversichert, das ist das leichteste Problem. 

Wenn Sie permanent ausgewandert sind und sich in Deutschland abgemeldet haben (Formular TA 20 von der deutschen Krankenkasse) sind sie über die türkische Krankenkasse SGK versichert wie Einheimische – Vorauszahlungen sind damit nicht notwendig.

Wenn Sie pendeln und nur ein TA 11 haben, heißt das für Sie komplette Vorkasse, da dies nur ein Notfallkrankenschein für einen Urlaub von 183 Tagen darstellt – Sie rechnen erst danach mit Ihrer deutschen Krankenkasse ab. 

Doch es gibt noch einiges, was man wissen muss: 

1. Sprache

Ganz wichtig im Vorfeld – lernen Sie Türkisch, um sich verständigen zu können, das ist das A und O! Es muss nicht perfekt sein, doch Sie sollten wirklich in allen möglichen Bereichen – in Behörden, Banken und vor allem beim Krankenhausaufenthalt verstehen, was der Arzt Ihnen sagt. Sie sollten auch dem Arzt verständlich machen können, was Ihnen fehlt. Einfach zu sagen, ach ja, ich gehe in eine Provinz, in der Deutsch gesprochen wird, ist blauäugig. Ich habe z.B. 2022 im 9. Eylül Universitätskrankenhaus in der Stadt Izmir 3 Wochen verbracht (als Begleitung) und hätte ich mich nicht Türkisch verständigen können, wäre es absolut schwierig geworden. 

2. Begleitung im Krankheitsfall 

Erkundigen Sie sich rechtzeitig vor Ort nach Kontakten für eine bezahlte Begleitperson für den Krankenhausaufenthalt! Manche Krankenhäuser möchten das noch. Selbst wenn nicht – kann ich mich im medizinischen Bereich verständigen, ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen? Verstehe ich, was die Krankenschwester sagt oder mir der Arzt bei der Visite erklärt? Kann ich ohne Übersetzer auskommen? Ist in dem Krankenhaus, in das ich gehe, eine helfende Begleitung notwendig für Dinge, die die Krankenschwestern nicht erledigen? Es ist heute immer noch so in bestimmten staatlichen Krankenhäusern, dass die Krankenschwestern nur die "schöne" Arbeit tun - sprich Tablettenausgabe, Infusionen, Blutdruckmessen usw., aber die pflegenden Arbeiten wie zur Toilette bringen, beim Waschen helfen oder ähnliches, nicht übernehmen. Dafür ist Familie da gewesen in früheren Jahren und obwohl es sich vielerorts geändert hat, gibt es Krankenhausverwaltungen, die dieses System noch nicht abgeschafft haben - siehe mein Erlebnis in Izmir unter Nr. 1 

Warum ist das oft noch so wie zu Zeiten vor der heutigen Regierung? 

Vermutlich spart sich die Krankenhausverwaltung erheblich Geld, indem es für die private Begleitung nicht zahlen muss und eine Menge Personal einspart. Die Krankenhäuser werden von staatlicher Seite an die jeweiligen Provinzen und Bezirke (Landkreise) zur Verwaltung gegeben. Nur so lässt sich erklären, dass es Türkei weit riesige Unterschiede in der Betreuung gibt. 

a) Privat:

Private Krankenhäuser, die man entweder selbst bezahlen muss oder die Differenz zur Versorgung im staatlichen Krankenhaus, haben meistens Übersetzer für Deutsch oder Englisch im Haus. Es werden auch meistens private Begleitpersonen erlaubt, die über den ganzen Krankenhausaufenthalt mit im Zimmer schläft und kleine Pflegetätigkeiten übernimmt oder einfach als moralische Stütze dient. 

b) Staatlich über Krankenkasse SGK: 

Natürlich ist es seit dem Bau der vielen neuen staatlichen Krankenhäuser nicht mehr wie früher in jedem Krankenhaus so, dass die Pflege eine private Begleitperson übernehmen muss, aber leider gibt es noch solche Häuser wie z. B. in Izmir das 9. Eylül Universitätskrankenhaus und auch in Fethiye oder Antalya gibt es solche noch. Ich konnte es nicht glauben, doch es gibt dieses System zum Teil immer noch, je nach Verwaltung des Krankenhauses. 

Wer keine Familie hat, ist auf bezahlte Hilfe angewiesen. Ich habe selbst schon als Familie begleitet und weiß, wie aufwendig und stressig das ist. 

Das bedeutet für Alleinstehende unter Umständen: 

Je nach Leitung der Verwaltungsdirektion vom Krankenhaus und deren System braucht der Patient unter Umständen noch eine GESUNDE Begleitperson (Refakatci), der mit ihm über die Dauer des Krankenhausaufenthaltes im Zimmer bleibt und dort auch schläft. Dafür gibt es für die Begleitperson kein Bett, sondern ausklappbare Sessel mit Schlaffunktion im Zimmer. 

Diese Begleitperson hilft dem Patienten bei den Dingen, die die Krankenschwester nicht macht, wie aufs WC führen, beim Waschen helfen, Urinbehälter entsorgen, Betten beziehen und ähnliche Pflegetätigkeiten wie Listen für die Krankenschwester führen, z. B. wieviel Flüssigkeit der Patient und zu welcher Uhrzeit zu sich genommen hat usw. Wir in Deutschland kennen so etwas nicht, hier in der Türkei ist das in manchen Krankenhäusern noch immer so, auch wenn es sich zum großen Teil schon geändert hat. Es liegt an der Leitung des Krankenhauses. 

Eine Begleitperson kann man auch privat engagieren, diese kostet aktuell lt. Internet im Jahr 2026 zwischen 1500 und 2000 TL am Tag, wenn es sich um einen Aufenthalt 12 Stunden handelt. bei Begleitung über Nacht (24 Stunden) 3000 - 3500 TL , 

Monatsaufenthalte einer Begleitperson kosten im Internet aktuell (Jan. 2024) zwischen 11500 und 18900 TL. 

Sozialversicherungsleistungen: 

Die Sozialversicherung (SGK) kann Leistungen unter der Kategorie „Begleitkosten“ erbringen, wenn dokumentiert ist, dass der Patient mit einer Begleitperson im Krankenhaus war. 

Krankenhausrichtlinien: 

Staatliche Krankenhäuser können eine geringe Gebühr für das Bett oder die Verpflegung einer Begleitperson erheben. 

Private Dienste: 

Bei der Suche nach einer professionellen Pflegekraft können Sie aktuelle Preise auf Plattformen wie Bakiciburada.com oder Armut.com vergleichen.


3. Vorbereitung und Organisation zu Hause:

a) Notfallkoffer für den Krankenhausaufenthalt: 

Sie sollten von Anfang an einen größeren Reisekoffer mit genügend Nachtzeug (kann auch T-Shirts, leichte Jogginghosen sein), Bademantel, Handtüchern, Kosmetikartikel, Handtüchern, Unterwäsche, Socken, Hausschuhen und allem füllen, was Sie im Notfall benötigen. Überlegen Sie auch, ob sie im Notfall jemanden kontaktieren können, der Ihnen frische Wäsche bringt. Wenn Sie weit weg von ihrem Zuhause liegen müssen, kommen sie evt. nicht umhin, noch nachzukaufen, nehmen sie deshalb genügend Geld mit, wenn sie ihrer gebuchten Begleitperson nicht die Bankkarte in die Hand drücken wollen. 

Achtung: 

In der Türkei kann es heute noch von Vorteil sein – je nach Krankenhausverwaltung, wenn Sie dazu noch einen kleinen Wasserkocher, löslichen Kaffee, Pulvermilch, Zucker oder besser unverderblichen Süßstoff und Besteck für 2 Personen, 2 Tassen und Trockentücher oder Papierrollen für Getränke einpacken. 

Warum? 

Es gibt tatsächlich noch Häuser und was mich erstaunt hat - vornehmlich an der modernen türkischen Westküste, wo man diese Dinge noch braucht (eigene Erfahrungen und Erzählungen von meinen Nachbarn, die in anderen Krankenhäusern Begleitung waren). 

Ich hatte das Glück, in Izmir am Krankenhausgelände und rundherum einkaufen zu können, da wir zwar gewarnt wurden, aber nicht glauben konnten, dass es im hochgelobten modernen Izmir,  noch so läuft wie in den Neunzigern. Es gab auch zum Frühstück keinen Kaffee, den musste man selbst dabei haben, drei Wochen sah ich auch keine warmen Getränke auf dem Flur - erst kurz vor unserer Abreise lief ein Mann mit einem Teewagen herum - den man bezahlen musste.  

Lassen Sie diesen Koffer am besten unberührt, fertig gepackt, damit Sie für den Notfall gerüstet sind. Denn wer sollte den sonst richtig packen? 

Zum Vergleich hatte ich eine Unterhaltung mit einer berenteten Lehrerin in unserer Kleinstadt Ortaca in der Provinz Mugla, die ich im Krankenhausgarten bei uns am Ort trat. Ich habe sie gefragt, ob es bei uns auch so ist. Sie lachte und sagte, nein, sie ist allein im Krankenhaus, ihre Kinder leben 300 km entfernt und was sie braucht, bekommt sie ohne Begleitung. 

b) Notfallkontakt Telefonnummer:

Irgendjemanden kennt bestimmt auch jeder Alleinstehende, jemanden der geholfen hat, vor Ort seine Mietwohnung zu finden, beim Hauskauf geholfen hat, meistens ein Makler, der Kontakte hat oder ein Übersetzer, der beim Antrag für den Aufenthalt geholfen hat. Besprechen Sie gleich nach Ihrer Wohnsitzgründung mit dieser Person, ob Sie ihn im Falle auch vom Krankenhaus aus anrufen können, um Bescheid zu geben, wenn etwas außerhalb des Krankenhauses dringend erledigt werden muss und was es kosten würde. Alles, was man im Vorfeld bereits organisiert hat, erleichtert den Ernstfall ungemein. 

c) Haustier: 

Auch einen guten Pflegeplatz für das Haustier bereits sofort und lange VOR einer evtl. Krankheit in Erfahrung bringen (enge Freunde, Tierpension) und z. B. einen Hund immer wieder dort mit hinnehmen, auch einmal ein oder zwei Stunden dort alleine lassen, damit er die Menschen gut kennenlernt und nicht völlig verzweifelt ist, wenn Frauchen oder Herrchen einmal länger nicht da ist. Hunde reagieren ähnlich wie Kinder, wenn sie in den Kindergarten gehen und zicken vielleicht anfangs herum. Sie sollten das unbedingt tun, damit Sie selbst beruhigt sind, wenn ein Notfall eintritt. 

d) Haus und Garten:

Schon beim Einzug in der Türkei alles, was Strom, Wasser, Internet usw. betrifft, per Bankeinzug regeln, damit Sie in Abwesenheit nicht selbst zum Bezahlen gehen müssen. Laden Sie die App Ihrer Bank auf Ihr Smartphone für alle Fälle. 

Bitten Sie Nachbarn oder Bekannte vor Ort, ab und zu bei Ihnen nachzusehen, stellen Sie auf jeden Fall Wasser am Haupthahn komplett ab, Strom nur, wenn Sie keine volle Gefrierbox haben oder dieser aus anderen Gründen laufen muss. 

e) Finanzielles:

Legen Sie sich für solche Notfälle von Anfang an ein „Krankenhauskonto“ an, welches nie angetastet wird, kein Sparkonto, sondern ein Giro mit Bankkarte und einem gewissen Tageslimit auf der Karte – getrennt von den sonstigen Konten und Rücklagen. Mit der Bankkarte können Sie sich von der Begleitperson sowohl im Krankenhaus einkaufen lassen, wenn es einen bestimmten Betrag nicht übersteigt oder eine Person Ihres Vertrauens etwas besorgen lassen, ohne das Passwort geben zu müssen. 

Regeln Sie das alles noch, wenn Sie gesund sind – verlieren Sie einen Ihrer Kontakte, gehen Sie neu auf die Suche für diese Fälle, es ist für Ihre Genesung ungemein wichtig – Stress macht es in der Krankheit nur noch schlimmer! Auch die Sorge um ihr Haustier.