Türkei Ermittlungen: Spirituelle Berater unter Beobachtung
6. Februar 2026
In den letzten Jahren sind spirituelle Berater, Wahrsager und Anbieter esoterischer Dienstleistungen in der Türkei immer stärker ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Es gibt immer mehr davon Behörden wie die Cyber Crime-Abteilungen der Polizei, die Staatsanwaltschaften und das Finanzministerium prüfen systematisch Angebote im Internet, vor allem dort, wo Menschen über soziale Medien versprochen wird, Probleme durch „Magie“, Wahrsagerei, Tarot oder spirituelle Rituale lösen zu können.
Große Aktionen in mehreren Provinzen führten zur Festnahme zahlreicher Verdächtiger, die auf digitalen Plattformen mit angeblichen übernatürlichen Leistungen Menschen getäuscht und zum Teil mehrfach um Geld gebeten oder erpresst haben. Dabei nutzten viele dieser Anbieter gezielt soziale Medien, Websites und Messenger Dienste, um ihre Dienste zu bewerben und Kundenkontakte herzustellen – und werden inzwischen von Ermittlern genau beobachtet. Parallel dazu analysiert das türkische Finanzministerium digitale Spuren von Einkünften aus Wahrsagerei, spirituellen Beratungen oder Astrologie, um Steuerhinterziehung aufzudecken und rechtswidrige Einnahmen zu erfassen.
„Büyü“ - als Begriff im türkischen Strafrecht
Im türkischen Strafgesetzbuch steht NICHT ausdrücklich „Büyü“ oder „Zauberei“ als eigener Straftatbestand.
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Täuschung,
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Ausnutzung von Glauben oder Unsicherheit,
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und Einnahmen durch falsche Versprechen.
Alle diese Aspekte werden juristisch unter Betrug, Ausnutzung religiöser Gefühle oder Störung des sozialen Friedens eingeordnet, nicht als „Magie“-Straftat an sich.
WICHTIG: Auch wenn jemand kein Geld verlangt, kann die Handlung rechtswidrig sein.
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Wahrsagerei,
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Zauberhandlungen,
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symbolische „Büyü“-Handlungen oder
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„Üfürükçülük“ (traditionelle spirituelle Praktiken),
wenn sie dazu dienen, andere zu beeinflussen oder ihnen falsche Hoffnung zu machen.
Solche Fälle werden nach einem älteren, aber immer noch gültigen Gesetz beurteilt: dem 677er-Gesetz über die Schließung von Tekke und Zaviyen (1925).
Der „spirituelle Berater“ – einfach erklärt
Ein spiritueller Berater sagt, dass er Dinge sehen oder wissen kann, die andere nicht sehen. Er spricht von Zeichen, Energien oder höheren Kräften.
Er erklärt das Leben auf eine besondere Weise. Menschen gehen oft zu ihm, wenn sie Angst haben oder verzweifelt sind.
Wenn jemand gestorben ist.
Wenn eine Beziehung zerbricht.
Wenn Krankheit, Geldsorgen oder Einsamkeit das Leben schwer machen.
Wenn Wettergewalten wie Hochwasser, Erdbeben im Land vorkommen und die Angst davor groß ist.
Ein falscher spiritueller Berater hält absichtlich den Menschen klein.
Was passiert, wenn man so jemanden durchschaut hat und derjenige es merkt?
Ein häufig zu beobachtendes Verhalten sogenannter spiritueller Berater zeigt sich dann, wenn sie kritisch hinterfragt werden. Sobald jemand konkrete Fragen stellt, Widersprüche anspricht oder Belege verlangt, ändert sich oft der Umgangston. Gespräche werden abgebrochen, Nachrichten bleiben unbeantwortet oder der Kontakt wird ganz beendet – besonders in sozialen Medien.
Diese Reaktion ist kein Zufall, sondern Teil einer gängigen Praxis. Die Arbeit solcher Berater lebt von Vertrauen, Unklarheit und Deutungsspielraum. Kritische Nachfragen gefährden dieses fragile Konstrukt. Statt sich sachlich auseinanderzusetzen, wird der Kontakt beendet, um die eigene Rolle als vermeintliche Autorität zu schützen.
In sozialen Netzwerken zeigt sich dieses Muster besonders deutlich. Nutzer, die Zweifel äußern oder genauer nachfragen, werden ignoriert oder blockiert. Auf diese Weise wird Kritik unsichtbar gemacht, und das eigene Bild nach außen bleibt ungestört. Für Außenstehende entsteht so der Eindruck von Zustimmung und Seriosität, obwohl kritische Stimmen bewusst ausgeschlossen werden.
Wer tatsächlich beratend tätig ist, müsste Fragen zulassen und erklären können, was er tut. Das Ausweichen vor Kritik ist daher weniger ein Zeichen von Stärke als ein Hinweis darauf, dass das angebotene Wissen einer genaueren Prüfung nicht standhält.
Andere Länder - andere Bezeichnung - gleiche Folgen
Anmerkung: In anderen Ländern existiert vielleicht kein vergleichbar eindeutiges, geltendes Gesetz, das den bloßen Akt von spirituellen Beratungen oder Wahrsagerei selbst verbietet.
Stattdessen muss jede strafbare Handlung in der Regel über andere Tatbestände bewertet werden, z. B. Betrug, Täuschung oder irreführende Praktiken, wenn ein Schaden entsteht - siehe Ägypten.
In EU Ländern ähnlich:
Wenn jemand:
falsche Fähigkeiten vorgibt
Menschen täuscht
Geld verlangt für Dinge, die nicht real sind
kann das als Betrug gelten.
Als ich vor mehreren Jahren meine dreiteilige Auswanderer-Tagebuchreihe veröffentlicht hatte, bin ich selbst in interessante Gesellschaft geraten, die für mich vorübergehend sehr amüsant war - die Tragweite war mir aber bewusst. Das habe ich im Teil 2 meiner Tagebücher "Weißwurst mit Türkischem Tee" sehr ausführlich erzählt. Damals war ein richtiger "Hype" ausgebrochen und ich wunderte mich, weil ich ja die Gesetze kannte, dass so etwas möglich ist. In Izmir und anderen Städten schossen die Cafes aus dem Boden, in denen Frauen gegen Prozente aus der Kaffeetasse lasen, es gab ein Medium, der konnte sogar lebendige Djinns in den Kaffeetassen sehen und wollte mich sogar überreden in dieses "Business" einzusteigen. Dann beruhigte es sich wieder, doch seit der Zeit der Smartphones, den wachsenden Sozialen Medien, nimmt es wieder größere Ausmaße an und die Türkei ist technisch schon seit Jahren in der Lage, im Internet zu operieren.
