Türkei Auswanderer und der "gute" türkische Freund

 Warum ein „guter Freund“ in der Türkei, der vieles noch dramatischer darstellt als es selbst deutsche Medien tun, als politische Informationsquelle ungeeignet ist, lässt sich nur verstehen, wenn man zwei Ebenen betrachtet: die politische Wahrnehmung – und den ganz normalen Alltag. Viele Ausländer, vor allem Deutsche, rühmen sich oft, einen ganz speziellen "guten" Freund in der Türkei zu haben - warum Freundschaft hier ein zweischneidiges Schwert sein kann, erkläre ich gleich. 



Zunächst begegnet man in Sozialen Medien immer wieder den gleichen Typen von selbsternannten Türkei-Experten, die alles zu wissen glauben. 

Da ist derjenige, der nie in der Türkei war, aber über deutsche Medien wie BILD oder Fernsehdokumentationen glaubt, das Land genau zu kennen. Das sind seine einzigen guten Freunde, die ihm Berichte über die Türkei zeigen. 

Dann gibt es den Urlauber, der ein paar Tage im All-Inclusive-Hotel verbracht hat, kaum nach draußen geht und nur die Annehmlichkeiten des Resorts genießt, das eigentlich überall auf der Welt sein könnte, und daraus weitreichende Schlüsse zieht.

Interessanter wird es bei neu angekommenen Ausländern, dazu zähle ich auch die, die ein bis drei Jahre in der Türkei leben - dem „Freundeskreis-Experten“, der sich auf Aussagen eines türkischen Freundes vor Ort stützt und dessen Sprachkenntnisse oft nur oberflächlich sind. Meistens kommt noch hinzu, dass der gute Freund nur aus seiner eigenen Sicht berichtet, die oft unmerklich eine politische Ausrichtung hat und nicht unbedingt - nur aus seiner Sicht - der Wahrheit entsprechen muss. Man muss wissen, dass die Türkei in zwei Lager gespalten ist und das schon immer und diese Lager schon seit der Gründung der Türkei 1923 existieren.   

Es gibt viele, die in geselliger Efes und Raki Runde mit Türken aus dem Land denken, dass sie komplett hinter die Fassade des türkischen Lebens blicken, nur weil ihnen der deutsch sprechende Friseur oder der Kellner im Stammrestaurant eine Geschichte erzählt, über seine Familie, über sich selbst... 

Auch wenn der Ausländer nach Hause eingeladen wird, sieht er nur das, was man ihn sehen lassen möchte. Gastfreundschaft wird groß geschrieben, aber private Geschichten werden genauso oft - sprich wenig - an Fremde weitergegeben. Genau wie in Deutschland auch. Selbst wenn man jahrelange Nachbarn hat - niemand wird seine Finanzen einem Ausländer brühwarm auf die Nase binden, vor allem nicht, wenn er ein wenig "geschummelt" hat bei der Steuer. 

Sehr oft geht es auch um die Regierung, die an der Westküste eher bei Wählern so gar nichts richtig macht, weil sie traditionelle Oppositionswähler sind und die Regierung ist dann immer an allem schuld, selbst wenn es nicht so ist. 

Hinzu kommen die klassischen Flüsterpost-Quellen: „Mein Mann hat gesagt…“, „Die Verwandten berichten…“ – Meinungen, die weitergegeben, aber selten hinterfragt werden.

Was dabei fast immer übersehen wird:

Die Türkei ist kein einheitliches Gebilde an Menschen. Herkunft, Region, familiäre Geschichte – all das prägt die Sichtweise eines Menschen.

„Türke“ im Ausweis sagt wenig darüber aus, welche Erfahrungen jemand gemacht hat oder welche Perspektive er einnimmt.

Das jahrelange Leben eines Auswanderers vor Ort schützt nicht vor Fehleinschätzungen!

Gerade viele Auswanderer, die in touristischen Regionen wie Antalya oder Alanya, in Städten wie Fethiye oder Bodrum in der Provinz Mugla oder um Izmir herum leben, bewegen sich überwiegend in einer begrenzten sozialen Umgebung, vor allem in der Antalya Provinz ist das an der Tagesordnung. Ihr Alltag findet zwischen anderen Ausländern, einigen wenigen Einheimischen und persönlichen Kontakten statt. Daraus entsteht leicht der Eindruck, man habe ein umfassendes Bild – obwohl es in Wirklichkeit nur ein Ausschnitt ist - vor allem in den teuren Gegenden der Türkei. 

Anhaltspunkt über den monatlichen Verbrauch eines türkischen Haushalts: 

Im Grunde kann jeder, der eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre beantragt und keine Langzeitaufenthaltserlaubnis hat, am Betrag, den er als Einkommen nachweisen muss, sehen, dass er mit diesem Betrag in Europa monatlich nicht auskommen würde. Hierzu gibt es von mir im Blog einen weiteren Artikel --> hier lesen    

Auswanderer, die seit Jahren eine Langzeitaufenthaltserlaubnis oder die türkische Staatsbürgerschaft besitzen, tun sich bei ihrer Einschätzung meist schwerer, weil sie sich mit dem Thema Aufenthalt nicht mehr auseinandersetzen müssen und sitzen auch manchmal kleinen Schwindeleien auf, die Einheimische zu gerne nutzen, wenn es um Geld geht. Im Gegensatz zum Deutschen, der gerne den "Aufschneider" spielt und ungern zugibt, wenn es "kneift", ist der Türke eher der, der lieber so tut, als hätte er nichts. Warum, es ist einfach eine Angewohnheit aus den Zeiten, als es noch gang und gäbe war, lieber schwarz zu arbeiten und so zu tun, als nage man am Hungertuch, als es noch ging, vom Nachbarn die Telefonleitung anzuzapfen, um kostenlos zu telefonieren (selbst erlebt) oder um bei Ausländern Mitleid zu erregen.  

Fakt ist : 

Es ist nicht nur so, dass einheimische Türken ihre kleinen "Geheimnisse" im Privat- und Geschäftsleben haben, auch Auswanderer - ob Türken aus dem Ausland oder Europäer, spielen ganz oft geschäftlich erst nicht mit offenen Karten. 

Da werden Auswanderer-Facebook Accounts und Youtube Kanäle geöffnet und erst einmal auf privater Schiene vom ersten Tag an Tipps gegeben, die von Möbelbestellung handeln oder anderen Dingen, woraus kein zukünftiger Auswanderer jemals etwas wirklich produktives mitnehmen könnte. 

Andere erzählen von Land, das man gekauft hat und mit Leidenschaft bewirtschaftet und die Natur liebt, dazwischen fließt mal zufällig ein, wie die Baugesetze der Türkei aktuell aussehen... und wenn man genug Follower hat, die es einfach nur amüsant finden, outet man sich dann plötzlich als Makler und hofft, dass die lieben Follower das dann auch merken und zugreifen. 

Für mich und auch viele andere, die ich vor Ort kenne und die noch länger als ich hier sind, unvorstellbar dreist und eben auch nicht wirklich ehrlich. 

Warum sollten dann Einheimische ehrlich zu Ausländern sein, wenn letztere es zu ihren eigenen Landsleuten oft nicht sind? 

Ein besonderer Typ Einheimischer, der meist in der Nähe von Ausländern zu finden ist - der ewig vom Leben benachteiligte "Dauerjammerer":  

Das sind Menschen, die zu jeder Gelegenheit betonen, wie schlecht es ihnen gehe, wie teuer alles geworden sei und wie schwierig das Leben inzwischen sei. Was dabei oft unerwähnt bleibt, sind zusätzliche Einkünfte, familiäre Unterstützung oder schlicht und einfach Schwarzarbeit an der Steuer vorbei. Viele Vollzeitbeschäftigte lassen sich über Mindestlohn einstellen und den Rest bar auszahlen, da sowohl der Arbeitgeber weniger Abgaben bezahlt und der Arbeiter ebenfalls weniger Steuern. Es gibt zwar Kontrollen, doch man war in der Türkei schon immer erfinderisch. Das heißt - nicht jeder der Mindestlohn verdient, hat auch nur so viel zur Verfügung. 

Natürlich ist innerhalb 35 Jahren alles teurer, nicht nur in der Türkei. Warum wird überall in Europa gejammert über die Preise, über Gehälter und vieles mehr? Doch es ist ein immerwährendes Phänomen in der Türkei - vor allem bei Auswanderern zum Teil, die seit den 80er Jahren hier sind, dass sie vergessen, dass das fast ihr halbes Leben her ist. Wer glaubt denn bitte, dass sich in vierzig Jahren die Preise halten? Egal wo? So dement kann doch keiner sein?   

im Verhältnis waren damals die Mieten so günstig, wie nirgendwo, heute staune ich, wie sie in den letzten Jahren in die Höhe getrieben wurden. Doch es wird ständig mit Europa verglichen und man will zwar alles wie dort haben, aber bitteschön die Preise von 1990 wenn es möglich ist.  

Zudem sind junge Paare anspruchsvoller wie früher, denn der Konsumwahnsinn macht auch nicht vor ihnen halt. So viele Einkaufszentren, wie ich hier in der Türkei schon gesehen habe, habe ich in Deutschland in mittelgroßen Städten nicht entdeckt. 

Dazu kommt, dass ein großer Teil der jungen Generation, die innerhalb der letzten 25 Jahre unter der heutigen Regierung aufgewachsen ist, unwahrscheinlich "antiautoritär" verwöhnt ist und den Eltern regelrecht auf dem Kopf herumtanzt,  alles haben muss, auch bekommt, selbst wenn die Kreditkarten der Eltern nichts mehr hergeben. 

Hier gibt es aber auch einen gravierenden Unterschied zwischen den "modernen" Türken an den touristischen Küsten (oder solche, die denken, alles was aus Europa kommt, muss hier genauso sein) und den noch eher traditionell lebenden Familien im Inland, wo der Familienzusammenhalt noch größer zu sein scheint und der Konsumwahnsinn noch nicht ganz so um sich gegriffen hat. 

Übrigens: Kreditkarte bekommt man auch hier in der Türkei nur von der Bank, wenn man vom Einkommen her kreditwürdig ist. Dieses Märchen von "alle besitzen zig Kreditkarten" stimmt nicht so ganz. Jemand der kein Geld hat, bekommt von der Bank nichts und auch keine Kreditkarte, die man überziehen könnte. Sondern nur eine normale Bankkarte. 

Dieses Gejammer von Einheimischen gegenüber Ausländern aus Europa ist fast Standard in Touristengebieten an der türkischen Westküste. Meistens von jenen, die noch nie in Europa waren, geschweige denn, dort gelebt und 40 Stunden in der Woche "gebuckelt" haben und Überstunden geschoben haben bis zum Umfallen. 

Amüsant finde ich noch die türkische Rentnergeneration, die über ihre Mindestrente jammert, aber mit 51 Jahren oder noch früher bei minimalen Beiträgen schon in den Ruhestand ging. Aber nicht einmal da wird logisch von Ausländern überlegt, wenn man Berichte dieses "Freundes" aus der Türkei weiterträgt, warum es ihm so schlecht geht - vielleicht weil die kleine Rente deswegen zustande kam, weil man nur wenige Jahre eingezahlt hat und der deutsche Nachbar 45 Arbeitsjahre hatte?

Gegenfrage, was bekommt jemand in Deutschland an Rente, der Mindestrentenanspruch und weniger eingezahlt hat, als andere? Volle Rente? Bestimmt nicht! Ich kenne einen Fall - 300 Euro im Monat. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben und arbeitet mit fast 68 Jahren Vollzeit. Warum? Weil man auch in Deutschland mitunter als junger Mensch dachte, wenn man schwarz arbeitet, hat man mehr vom Leben und nicht überlegte, was einmal ist, wenn man nicht mehr kann. Deswegen verstehe ich viele Auswanderer nicht, die hier Jahrzehnte wirklich leben und völlig weltfremd sind,  schon lange vergessen haben, wie sich das heute in Deutschland ebenfalls auswirkt, wenn man Mindestrente oder Mindestlohn erhält. Ach ja, man kann zum Sozialamt gehen - es gibt aber Menschen, die nicht vom Staat schnorren wollen. 

Genauso ist es auch in der Türkei, nur eben nicht so praktisch - mangels sozialer Leistungen, die es in der Form wie in Deutschland gar nicht gibt und nie gegeben hat, gehen Rentner, die früh in Rente gingen meistens noch arbeiten, gehen Mindestlohnarbeiter meistens noch schwarz nebenbei arbeiten. Warum ich das behaupte? Durch unsere Baufirma habe ich vieles gesehen und beobachtet. 

Die schlimmsten Fälle dieser Dauerjammerer machen sich jedoch nicht nur "so" wichtig, um Mitleid zu erregen. 

Es gibt vielfältige Gründe, sei es nun, dass man sich erhofft, dass gefragt wird, ob man Geld braucht, geliehen oder geschenkt, egal, als Geschäftsmann vielleicht nach einem privaten Euro-Kredit sucht, den man irgendwann nicht mehr zurückzahlt oder ähnliches. 

Kleine Geschichte - als mein Mann krank war und wir die Firma nach langen Jahren aufgeben mussten, gab es einen Mann aus Mardin, hier verheiratet, der sagte, er würde Renovierungen machen. Also haben wir ihn engagiert, um unsere Gartenmauer zu erhöhen, weil mein Mann es zu der Zeit nicht konnte. Es fehlte nur noch die Front von 15 Metern zur Straße mit drei Ytong-Reihen und Firststeinen. In der Zwischenzeit hatte er zu seinem verlangten Preis noch von uns nebenbei unsere alte Wohnzimmergarnitur samt Tisch und Brennholz für den Winter geschenkt bekommen - umgerechnet 1000 Euro extra, weil wir es nicht mehr brauchten. Er kam in der Zeit und fragte ob wir ihm Geld für den Transport seines Vaters von Mardin nach Ortaca leihen könnten, er könnte nur mit dem Notarztwagen transportiert werden. Haben wir natürlich gemacht und da das Guthaben von uns noch da war plus das Material dafür , haben wir ihn gebeten, die Maurer noch fertig zu stellen. Ende vom Lied - er kam nicht mehr, schickte uns einen anderen, der in ein paar Stunden die Steine drauf mauerte und in Feiertagsurlaub ging. Wochenlang hörten wir nichts, bis mein Mann die Nase voll hatte und den Rest selbst fertig machte. Danach erreichte uns die Nachricht - die Frau des Mannes hatte sich scheiden lassen, er hatte alles Geld das er verdiente über eine Dating App im Internet an Frauen geschickt, um sie kennenzulernen. ER war faktisch pleite, hatte kein Zuhause mehr, war nach Mardin zurück. Ein Auftraggeber hatte ihm einen riesigen Vorschuss gegeben, den er vergessen konnte, es wurde nie erledigt. Ein Jahr später kam er vorbei als wäre nie etwas passiert und fragte uns nach Aufträgen - was wir ihm geantwortet haben, kann sich jeder sicherlich vorstellen. 

Solche Fälle gibt es gerade auch an Touristenorten massenweise. Viele leben über ihre Verhältnisse, doch selten wird reflektiert, wie sehr sich Lebensgewohnheiten verändert haben.

Ein Blick zurück zeigt, wie grundlegend diese Veränderungen sind.

In den 1990er Jahren lebten viele Menschen deutlich einfacher. Häufig gab es weder Smartphone noch Internet, oft nicht einmal ein eigenes Telefon im Haushalt. Autos waren selten, Konsum begrenzt. Junge Paare wohnten nicht selten bei den Eltern, teilten Einkommen und Ausgaben, mehrere Generationen lebten unter einem Dach. Miete war vergleichsweise günstig, und das gemeinsame Wirtschaften half, finanzielle Belastungen abzufedern.

Doch "günstig" ist relativ, wenn man die Löhne damals und heute vergleicht, Miete und Gehälter gegenüberstellt. Vor allem in Istanbul und anderen großen Städten - wobei es in Istanbul wirklich so ist, dass kaum noch einer mit gesetzlichem Mindestlohn arbeiten muss. Dort wird mehr bezahlt. Und - hat sich schon einmal jemand derjenigen überlegt, dass - obwohl geheult und gejammert wird - doch so viele nicht von der teuersten Stadt der Türkei wegziehen und dort arbeiten, wo die Mieten billiger sind und auch die Lebensmittel? Das muss ja einen Grund haben - vielleicht doch die höheren Gehälter?

Wir haben damals in einer 17 000 Einwohner Stadt, als wir 2003 auswanderten, lächerlich wenig Miete bezahlt - Uraltbau, mehr als 60 Jahre alt, aber mit Garten und nur einem weiteren Mieter über uns - kostete damals in Euro lächerliche 32.50 Euro kalt - nein und ich habe keine Null weggelassen. Die Wohnung hatte ungefähr 75 m2, drei Zimmer, Küche und Bad - war potthässlich, hatte einfache Fensterscheiben, einen Anschluss für Ofenheizung und wir haben sie trotzdem genommen - weil wir kein Risiko im ersten Jahr eingehen wollten - trotzdem mein Mann Türke ist und schon einmal sieben Jahre mit den Eltern ausgewandert war in den 80er Jahren und die Lage kannte. Er sagte mir immer - das Wichtigste ist, auf Eigentum hinzuarbeiten. Denn wir wissen nicht, wie lange es noch so ist. Und er hatte recht. Deswegen war es uns wichtig, unser Geld zusammenzuhalten und nicht wie in der Sendung "Goodbye Deutschland" wie so viele, auf die berühmte "Kacke" zu hauen, bis nach einem Jahr das Geld völlig aufgebraucht ist. 

Wir haben mit geringem Aufwand die Rumpelbude gestrichen, dekoriert, fertig. In Deutschland hätte ich mich wahrscheinlich in Grund und Boden geschämt, in der Türkei war ich froh, so einen günstigen Start hinlegen zu können und stolz drauf, was aus der Bruchbude letztendlich mit wenig Geld herausgeholt worden war. Wenn ich im ersten Jahr, in dem ich gependelt bin, auf meiner deutschen Ledercouch saß, kam ich mir vor wie im Hilton Hotel. Doch es war mir egal, wenn ich wieder zurück in meiner türkischen "Behausung" war. Letztendlich konnten wir uns mit jahrelanger Arbeit unseren Traum vom eigenen Haus erfüllen und das ohne Hilfe. 

Vielleicht liegt hier der maßgebliche Unterschied, der im Leben wichtig ist - nicht alle Menschen sind gleich - die einen können sparen, sind mit wenig zufrieden und die anderen können keine Stunde ihr Geld zusammenhalten, weil sie alles haben müssen, was andere haben. Vielleicht liegt hier der Hase generell begraben. 

Wer aus einer Familie kommt, die vorlebt, wie man etwas erreicht, wenn man mit seinem Geld sparsam umgeht, der wird niemals jammern, sondern stolz auf das sein, was er ohne fremde Hilfe erreicht hat. 

Wir leben in einer Zeit, in der diese Gabe bei ganz vielen verlorengegangen ist. Wobei ich jetzt nicht behaupte, dass es früher nicht auch schon Menschen gab, die sowohl in der Türkei, als auch in Deutschland lieber ihr "Prestige" pflegten, anstatt ihre Sparbüchse - mehr Schein als sein gab es überall schon immer. 

Heute hingegen haben sich bei vielen Menschen in der Türkei - nicht zuletzt durch das Internet und Soziale Medien, Erwartungen und Lebensstile verändert. Konsum ist selbstverständlich geworden, technische Geräte gehören zum Alltag, und auch der soziale Vergleich ist durch Medien allgegenwärtig. Zwei Autos sind keine Seltenheit, Kredite werden aufgenommen, und finanzielle Verpflichtungen steigen. Gleichzeitig vermitteln Fernsehserien und soziale Netzwerke ein Bild von Wohlstand, das viele als Maßstab übernehmen.

Wenn dann das Einkommen nicht ausreicht, wird die Ursache häufig nicht im eigenen Lebensstil gesucht, sondern im äußeren Umfeld. Genau diese Stimmen sind es, die viele Auswanderer hören – und für die allgemeine Realität halten.

Dabei fehlt oft ein entscheidender Punkt: 

Wer die früheren Lebensbedingungen nicht selbst erlebt hat, kann Veränderungen schwer oder gar nicht einordnen. Was als Verschlechterung wahrgenommen wird, ist nicht selten auch das Ergebnis gestiegener Ansprüche und veränderter Rahmenbedingungen.

So entsteht ein verzerrtes Bild – geprägt von Einzelmeinungen, rein persönlichen Erfahrungen und unvollständigen Informationen. 

Wer sich jedoch ein fundiertes Urteil bilden möchte, muss mehr tun, als sich auf eine Quelle zu verlassen. Es erfordert die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, Hintergründe zu verstehen und zwischen persönlicher Erfahrung und allgemeiner Realität zu unterscheiden.

Denn nicht jeder, der vor Ort lebt, versteht automatisch das Land oder die Menschen dort.

Und nicht jede Erfahrung ist gleichbedeutend mit Wahrheit. 

Kaum ein Einheimischer wird sich outen, auch wenn er einen Ausländer als "guten Freund" bezeichnet. Es ist leider sehr oft eine Floskel, die an der touristischen Küste schon richtig abgedroschen ist. 

Richtig gute Freundschaften, in denen man alles teilt sind in der Türkei Mangelware, genau wie in Deutschland auch. Es gibt sie natürlich, aber wirklich selten, allein schon deshalb, weil die meisten ihre eigene "Blase" haben und sich überwiegend dort aufhalten.