Die Kerze des Lügners brennt solange bis er sich schlafen legt..."Yalancının mumu yatsıya kadar yanar."
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Es gibt viele Menschen, die in die Türkei auswandern, es gibt hunderte von Facebook-Gruppen mit dem Thema Türkei. Meistens findet man dort immer die selben Leute. Früher war ich auch ein Mensch, der einfach alles geglaubt hat, weil ich davon ausging, dass man mir nichts vormacht, wenn man mich etwas fragt. Heute hat sich das durch viele Erfahrungen komplett geändert.
Wenn man so ein paar Jährchen im Internet und so um die 13 Jahre in Facebook ist, dann merkt man, dass sich die Zeiten, in denen Facebook eine Plattform war, um mit seinen Lieben und realen Freunden in Kontakt zu bleiben, völlig verändert haben.
Heute ist es eher wie ein riesiger Jahrmarkt — nur mit Filter, Bühne und Regie. Und neuerdings auch mit KI.
Man lernt ganz viele Leute kennen, die man aber nur übers Netz nicht einordnen kann. Früher waren es „nur“ Menschen, heute sind es zusätzlich Profile, Videos, Stimmen und Geschichten, bei denen man manchmal gar nicht mehr weiß: Ist das echt — oder ist das gemacht?
Es gibt so viele Menschen in Facebook, die ich sofort meide. Das sind die, die dazu geboren wurden, anderen immer das Gefühl zu geben, sich schlecht fühlen zu müssen, weil sie selbst nicht glücklich sind.
Meistens sind sie aus unerfindlichen Gründen neidisch auf alles und jeden und suchen sich immer sofort Verbündete. Allein trauen sie sich meistens nicht. Im Kreise ihrer Neidgruppen fühlen sie sich dann sicherer. Es sind unsichere Persönlichkeiten, die nicht anders können, als sich so zu benehmen.
Dann gibt es die, die andere immer öffentlich bloßstellen müssen. Die, die es genießen, durch Drohungen oder lautstarke Kommentare dem anderen ihren Standpunkt aufzudrücken. Und dann sind da noch die, die versuchen, andere immer als Schuldige darzustellen — auch wenn sie es gar nicht sind.
Nicht zu vergessen die Weltmeister, die alles völlig besch… finden. Alles und jeden. Und irgendwann merkst du, wie diese Dauernegativität auf dich abfärbt und du selbst denkst: Was ist denn heute los, warum fühle ich mich so schlecht?
Und heute kommt noch etwas dazu, was es früher so nicht gab: perfekt geschnittene Videos, KI-generierte Stimmen, Bilder, die schöner, reicher und erfolgreicher wirken als jedes echte Leben. Menschen, die plötzlich in Videos Dinge sagen, die sie nie gesagt haben. „Erfolgsgeschichten“, die komplett erfunden sind. Auswanderer, die angeblich in drei Monaten Millionäre geworden sind. Häuser, die es so nie gab. Leben, die so nie gelebt wurden und Frauen, die in 28 Tagen von 150 kg auf 60 kg abnehmen können :)
Und viele glauben es.
Diskutieren über Religion, egal über welche, egal mit wem, weder mit hardcore Religiösen und auch nicht über gleichgeschlechtliche Ehen, wenn man nicht weiß, ob Betroffene dabei sind — das kann schnell in einer Diskussion mit Fäkaliensprache enden und es wird oberpeinlich. Und heute werden solche Diskussionen oft noch extra angeheizt, weil sie Klicks bringen.
Am schlimmsten sind die Rücksichtslosen, deren Ehrgeiz so groß ist, dass es ihnen egal ist, auf dem Weg zu ihrem Ziel andere kaputt zu machen. Natürlich ohne ein Sorry danach. Aber auch die Egoisten, die immer die größten Stars der Facebook-Bühne sein wollen, permanente Aufmerksamkeit für ihr angeknackstes Ego brauchen und es nicht ertragen, dass ihr Gegenüber vielleicht mehr Wissen hat als sie — die fallen in verschiedenen Gruppen immer wieder auf.
Das sind Menschen, die fast schon neurotische Anwandlungen an den Tag legen, am liebsten jeden unter Kontrolle haben wollen. Früher waren es Kommentare — heute sind es zusätzlich inszenierte Videos, künstliche Dramen und bewusst gestreute Geschichten.
Dann gibt es noch die notorischen Protestler, denen es gar nicht bewusst ist, dass sie IMMER protestieren und gegen ALLES sind. Selbst wenn sie gestern noch über dich gelästert haben, passiert es morgen, dass du ein Thema hast, das ihnen eigentlich gefallen müsste — aber nein, man muss protestieren. Entweder weil man einfach nicht nachdenkt oder weil man explizit immer dieser Person den Stinkefinger zeigen will. Es ist wie eine Gewohnheit geworden. Oder wie ein Algorithmus im Kopf.
Man lernt in den ersten Jahren viel mehr über Menschen, als man ohne Facebook je lernen könnte. Und heute lernt man zusätzlich, wie leicht Menschen zu beeinflussen sind — durch Bilder, durch Videos, durch scheinbar „echte“ Geschichten, die in Wahrheit nur gut gemacht sind.
Lustig finde ich auch die, die immer ihre eigene, sehr winzige Fahne auffällig nach dem Wind hängen. Gestern war alles noch Blütenweiß, heute ist es über Nacht hundertprozentig tief Schwarz und soooo böse. Je nach Umfeld taucht man plötzlich völlig gegensätzlich auf — fertig manipuliert von neuen „Freunden“ oder dem, was gerade gut ankommt.
Da lohnen sich keine Diskussionen. Das ist nur vergeudete Zeit.
Ja, und dann gibt es noch die absoluten Facebook-Superstars. Die „Pretender“. Die „ich tu mal so, merkt doch keiner“-Typen. Früher waren es einfach geschönte Geschichten. Heute sind es perfekt bearbeitete Fotos, KI-Videos, falsche Erfolgsstories und manchmal sogar komplett erfundene Identitäten.
Du denkst: Wow, was für ein tolles Leben. Wie gut die alles hinkriegen. Drei Sprachen, erfolgreich, glücklich, sorgenfrei. Und du denkst, daneben siehst du echt blass aus.
Und irgendwann kommt dann doch heraus, dass das Wort Schummelei eine große Nebenrolle spielt. Dass vieles davon einfach nur gut inszeniert ist. Früher mit ein bisschen Fantasie — heute mit technischen Möglichkeiten, die es erschreckend einfach machen.
Warum manche das tun, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass der Türke dafür ein Sprichwort kennt:
"Yalancının mumu yatsıya kadar yanar."
Die Kerze des Lügners brennt nur bis zur Nacht.
Man muss doch gar nicht besonders schlau sein, um zu wissen, dass man jederzeit entdeckt werden kann. Meistens durch ganz dumme Zufälle. Oder weil sich Geschichten widersprechen. Oder weil jemand plötzlich nachfragt.
Ich war einmal in einer sehr großen Türkei-Gruppe, in der sich natürlich auch manche real kannten. Ein kleiner Streit — und plötzlich wird über den ehemaligen Freund böse ausgepackt. Und das tolle Bild nach außen ist dahin.
Und heute passiert das noch schneller. Ein Screenshot, ein Video, ein Vergleich — und schon fällt eine ganze Scheinwelt in sich zusammen.
Ja, und manchmal trifft man sich dann später auch im realen Leben. Bei mir war das so zur "Halbzeit" um die Jahre 2015 bis 2018. Ich habe damals zwar noch niemanden getroffen, der ein komplett anderes Profilbild hat — faltenfrei und gebügelt und dann ganz anders aussieht und da wir uns schon länger privat schrieben, gab es keine Überraschungen mehr. Dafür gab es andere, die völlig baff nach einem Treffen mit jemandem waren, weil sie die Dame nicht erkannt hat - dank der zahllosen Filter in den Smartphones, die danach immer mehr wurden.
Viele Menschen sind sich heute gar nicht mehr bewusst, dass es ein paralleles echtes Leben gibt. Eins, in dem man sich vielleicht irgendwann begegnet. Und in dem alles auffliegt, was man sich online zusammengebaut hat.
Gerade beim Auswandern, wo es um echte Entscheidungen, echtes Geld und echte Zukunft geht, ist das gefährlich.
Es hilft oft viel mehr, wenn man zu sich selbst steht. Wenn man ehrlich fragt. Wenn man auch zugibt, dass man etwas nicht weiß, wenn man ungefiltert auf Fotos und Videos zu sehen ist.
Denn gerade beim Auswandern ist Wahrheit kein Luxus.
Sondern der beste Berater, den man haben kann.
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| Foto: Walt Disney |
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